Beethoven Sonata Cycle – Conclusion

Playing the complete Beethoven sonatas this season has been a beautiful, arduous and transformative journey. As with all journeys, though, this one must now come to an end.

For the eighth and final recital I have chosen to play two monumental works of the middle and late period, Op. 57 “Appassionata” and the last Sonata Op. 111, in juxtaposition with two shorter, early works, Op. 10 No. 2 and Op. 14 Nr. 2.

The early sonatas on the programme are by no means there as a sort of palate cleanser, where their merit is mainly to set a contrast with the later, bigger works. For me they are gems, full of subtle invention, playful energy and lyrical naivety. I especially love the last movement of Op. 10 with its adrenaline driven, nose thumbing, boot stomping cheekiness. It puts play back into piano playing!

The transformative power of Beethoven’s music stems from its uncompromising character. This highly constructed music is welded together with extraordinary unifying purpose and force. It is music without any “gear shifts”; there isn’t an atmospheric passage and then a melodic one, there isn’t a colour change and then a climactic build up. Everything in it, regardless of how complex, speaks of one thing and one thing only, namely meaning! Every note, motive and accompaniment figure must speak and indeed argue for something; be part of a larger meaning. And here within lies the great challenge for the interpreter, because Beethoven demands not only an incomparable emotional commitment but also an emotional discipline. A sort of artistic morality by which you are always aiming for a bigger beauty and meaning rather than a momentary one.
In this process, the relationship to the score is not so much one of interpretation, but rather a process of identification. Emotional, mental, and even personal.

Towards the end of Op.111 there is an extraordinary moment where a vibrating ascending trill, a sort of heavenwards-looking heart flutter, stops, and what remains is one fragile line at top of the instrument and another at the deep end, with a hollow space in between. This is the Zero Moment of the Sonata, and perhaps of his entire pianistic oeuvre, as for a fleeting instant the music stares directly into the abyss. It’s a chillingly cold moment, and profoundly human!

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Im Verlauf dieser Saison Beethovens Sonaten-Gesamtwerk zu spielen, war wie eine wunderschöne, fordernde und auch sehr verändernde Reise für mich, die jedoch, wie alle Reisen, nun auch ein Ende finden muss.

Für den achten und zugleich letzten Sonatenabend habe ich zwei monumentale Werke aus der mittleren und späten Schaffensphase ausgewählt: die „Appassionata“ op. 57 sowie Beethovens letzte Sonate op. 111 und zwei kürzere Werke der frühen Schaffensphase, op. 10 Nr. 2 und op. 14 Nr. 2, die sich von den ersten beiden deutlich abheben.

Die frühen Sonaten des Programms sind keinesfalls nur eine Art kontrastreicher Ausgleich zu den gewaltigeren Spätwerken. Für mich sind beide Meisterwerke subtiler Fantasie, spielerischer Kraft und lyrischer Schlichtheit. Den letzten Satz von Opus 10 liebe ich besonders. Mit seiner frechen, gleichzeitig adrenalingetriebenen und unverschämten Art bringt er das unbeschwerte Moment des Klavierspielens zur vollen Geltung.

Beethovens Musik verändert den Hörer, weil sie diese Veränderung ohne Kompromisse einfordert. Sie ist höchst konstruiert und aus einer natürlichen Verschmelzung von Absicht und Entschlossenheit heraus entstanden.
Die Musik hat keine „Gangschaltung“, keinen Übergang von einer atmosphärischen zu einer melodischen Passage, von einem Klangfarbenwechsel hin zu einer Klimax. Alles an dieser Musik, so komplex sie auch sein mag, hat ein und dieselbe Absicht und Funktion: künstlerischer Ausdruck! Jede Note, jedes Motiv und jede begleitende Figur muss für etwas sprechen, ja sogar für etwas einstehen, Teil des großen Gesamtbildes sein. Genau hierin liegt auch die Herausforderung für den Interpreten, denn Beethoven verlangt eine unvergleichlich emotionale Hingabe sowie Selbstdisziplin – eine Art künstlerischer Ethos, der eine tiefere Schönheit und Bedeutung anstelle eines vorübergehenden Moments anstrebt.

Um dies als Künstler überhaupt leisten zu können, muss man nicht nur den reinen Notentext interpretieren und deuten – man muss sich mit der Musik auf emotionale, mentale und intime Art identifizieren.

Gegen Ende der Sonate op. 111 gibt es ein außergewöhnliches Moment: Ein Triller vibriert und steigt einem gen Himmel gerichteten Herzflattern gleich immer weiter an, bricht dann ab, um Platz zu machen für eine zarte Tonfolge ganz oben auf der Klaviatur und einer ebenfalls fragilen Melodie ganz unten. Dazwischen diese gewaltige, hohle Kluft.

Es ist der Nullpunkt der Sonate, vielleicht sogar der gesamten Klaviermusik Beethovens! Für einen kurzen Augenblick blickt die Musik unmittelbar in den Abgrund – ein Moment von schauriger Kälte und zugleich tiefer Menschlichkeit.